1972 |
| Geschrieben von Fraro (fraro) am 21.01.2009 |
Achja... damals...
Ich fuhr auf einer alten, heruntergerittenen BMW meine Haustrecke, ein Rundkurs. Gemäßigtes Tempo, die Haare wehten im Wind. Helme brauchte man da nicht. Stiefel und Lederkombi auch nicht. Ich trug nur eine einfach Jeans-Latzhose und Sandalen, nicht mal Handschuhe. Über Unfallgefahren machten wir und keine Sorgen
Vor mir fuhr ein Feuerwehrauto mit Blaulicht, und ich immer ganz dicht hinterher. Hinter mir ein Amischlitten, ein 50er Jahre Cabrio in senfgelb mit Weißwandreifen. Laute Musik dröhnte herüber. Der Wagen vollbesetzt mit einem etwa gleichaltrigen Fahrer und lauter Mädels, die kreischten und lachten.
Noch weiter hinten ein Omnibus mit fröhlichen jungen Menschen, die sich lachend aus dem Fenster lehnten.
Wir genossen das Leben, machten uns keine Sorgen um die Zukunft. Wir waren frei. Kein Chef saß uns im Nacken, wir hatten keine Familie zu versorgen. Wir waren glücklich, wie wir mit unseren Maschinen so die Bahnen zogen.
Zwischendurch immer wieder kurze Stopps. Die nutzten wir zu kurzen Gesprächen. Wir sprachen über Autos, Mopeds. Welches Auto wir uns kaufen würden, welche Maschine wir noch fahren wollten. Manchmal tauschten wir einfach so die Fahrzeuge untereinander aus, denn kleinliches Besitzdenken war uns fremd.
Es war eine herrliche, unbeschwerte Zeit.
Ich hätte ewig so weiterfahren können.
Leider hat mich die Maschine nach einigen Runden abgeworfen. Ich fiel seitlich nach außen herunter. Dabei habe ich mir den Ellenbogen aufgeschrammt. Tat scheußlich weh! Ich habe geheult wie ein Schloßhund, dicke Tränen liefen mir die Wangen runter. Die anderen fuhren weiter, als hätten sie nichts bemerkt.
Meine Mutti hat mich dann in den Arm genommen, feste gepustet und mir danach ein Eis gekauft, da war alles wieder gut. Ein Dreijähriger ist noch recht einfach zu beruhigen.
Ich habe ab dem Zeitpunkt besser aufgepaßt und bin dann auch nie wieder aus dem Kinderkarussel gefallen!
Zuletzt angepasst 24.02.2010 um 21:48
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