High.

Geschrieben von Fraro (fraro) am 28.01.2009
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Heute wende ich mich heute dem Actionthriller zu. Blut, Gewalt, erhebliche körperliche Schäden infolge äußerer Gewalteinwirkung, heulende Sirenen, zweifelhafte südländische Existenzen, harte Drogen und weiche Mädchen- meine Erlebnisse in der Zwischenzeit sollten genug Stoff für einen Ausflug in dieses Genre liefern...
 
Iin der Hauptzeit übe ich den schönen Beruf eines Schiffsmaklers aus. In der Praxis sieht das so aus, daß ich ein- und auslaufende Seeschiffe in den bremischen Häfen aufzusuchen habe, um diverse Aufgaben an Bord wahrzunehmen- das Spektrum reicht dabei von Papierkram, Lotsen- und Schleppschiffbestellung über diverse Botendienste und allgemeine Dienstleistungen (durchaus ehrbarer Natur).

Ich hatte an einem Sonntag gegen 22:30 Uhr ein norwegisches Schiff mit phillipinischer Besatzung zu besuchen, welches den Hafen um 23:00 Uhr verlassen wollte. Durch die äußeren Umstände wie Schiffsgröße und Anlage der Kaje lag das Schiff aber nicht direkt am Ufer, sondern an sogenannten "Dalben".

Wer sowas nicht kennt:



Ich saß also am späten Sonntagabend an Bord und plauschte mit dem Kapitän über dies und jenes. Schließlich wurde es Zeit, das Schiff zu verlassen. Ich ließ mir noch die nötigen Dokumente unterschreiben und verabschiedete mich gegen viertel nach elf.

Um an Land zu kommen, mußte ich eine ca. fünf Meter lange Strickleiter herunterklettern, um auf einen Dalben zu gelangen. Diesen gedachte ich dann über die landseitig eingebaute Eisenleiter zu verlassen. Ich wollte in das unten bereitliegende Boot steigen und mich ans Ufer fahren lassen.

Ich schlich in völliger Dunkelheit über das Deck. Es regnete in Strömen. Die Luft war kalt, ein strammer Wind pfiff über das einsame Hafenbecken. Ich zündete mir im Windschatten eine Zigarette an und schlug die Kapuze meiner Segeljacke über den Kopf. Fröstelnd hielt ich nach einem Seemann Ausschau, der mich zum Boot begleiten und dann an Land absetzen würde. Eine Bö jagte einen öligen Lappen über die eisernen Planken des Hauptdecks. Die großen Scheinwerfer, die das Deck noch bis vor kurzem in grelles Gelb getaucht hatten, kühlten mit leisem Knistern ab.
 
Vom Ufer her hörte ich ein leises Platschen, wahrscheinlich eine schlaflose Ratte auf der Suche nach einem späten Imbiß. Schließlich hatte ich einen Bootsführer gefunden. Ich beeilte mich, die schmierigen Stufen der hölzernen Jakobsleiter hinunter zu kommen. Meine Füße suchten nach Halt, als ich auf dem Dalbenkopf ankam.
 
Über mir stieg der kleine, drahtige Seemann die Stufen hinab. Ich konnte ihn nicht sehen, aber von seinen schweren Stiefeln tropfte schwarzes Wasser auf meine Kapuze. Nach einigen Augenblicken hatte ich den obersten Eisenpfahl mit den Füßen ertastet und verlagerte mein Gewicht. So stand ich hoch oben über dem Wasser.
 
Ich wußte, der einzige Weg an die Eisenleiter und so ins Boot führte über einen Poller, den ich als Treppenstufe benutzen müßte, um auf die sichrere Plattform zu gelangen. Ich nahm noch einen letzten, tiefen Zug von meiner Zigarette und schnippte die Kippe in hohem Bogen ins Hafenbecken, wo sie mit kurzem Zischen verlosch. In völliger Dunkelheit tastete ich mit dem Fuß nach dem Poller. Mir war kalt, ich hatte nasse Füße und wollte nur noch nach Hause. Ich würde mir noch eine schöne heiße Tasse Tee genehmigen, bevor ich ins warme Bett schlüpfe.

Komisch. Wo war denn der blöde Poller? Suchend tastete ich mit dem Fuß in der Dunkelheit nach dem sicheren Tritt. Schon glaubte ich, den kalten Stahl unter meinen Füßen zu spüren. Doch Irrtum. Schlagartig ging mir auf, daß ich auf der falschen Seite herunterzuklettern versuchte. Im gleichen Moment wurde mir weiterhin klar, daß ich den Halt unwiederbringlich verloren hatte und jetzt abstürzen würde. Rückwärts in das schwarze Hafenbecken dreieinhalb Meter unter mir.
 
Noch stand ich oben und versuchte, das Gleichgewicht wieder zu erlangen, aber der Absturz war nicht mehr zu verhindern. Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren. Während ich noch verzweifelt nach Halt suchte, kippte ich wie in Zeitlupe ab. Ich versuchte noch, die Strickleiter zu greifen, aber die Katastrophe war nicht mehr aufzuhalten. 

Unterwegs nach unten bereitete mich auf einen harten Aufschlag im Wasser vor. Das war verfrühter, unangebrachter Optimismus, denn bevor ich tief ins Wasser eintauchte, schlug ich mit der linken Körperhälfte auf das wartende Boot auf. Ich wurde durch den Schlag herumgewirbelt und tauchte mit lautem Klatschen seitlich in das stinkende, zehn Meter tiefe Hafenbecken ein.
 
Panisch ruderte ich mit Armen und Beinen, ohne jedoch an die Wasseroberfläche zu gelangen. Meine geschundenen Knochen drohten, den Dienst zu verweigern. Da sah ich plötzlich ganz klar: Ich hatte durch den Aufprall völlig die Orientierung verloren. Ich wußte in der völligen Düsternis nicht, wo oben und unten ist. Ich hörte auf zu strampeln, und beschloß, ruhig zu verharren, bis die verbliebene Luft in meinen Lungen und in der Kleidung mich nach oben tragen würde.

Endlich an der Oberfläche, schnappte ich wild nach Luft. Ein unerträglicher Schmerz beim Atmen machte mir sofort nachhaltig klar, daß ich den Aufprall auf das Boot nicht unverletzt überstanden hatte. Ich peilte das rettende Ufer an. Es war rund 15 Meter entfernt, und ich wußte nun, daß ich keine Chance hatte, es schwimmend zu erreichen.
 
Das Boot! Ich drehte mich blitzartig herum. Diese Bewegung wurde sofort mit neuem Schmerz bestraft. Mit einigen lahmen Schwimmstößen erreichte ich endlich den schaukelnden Kahn und klammerte mich von außen fest.

Auf dem Schiff selber wurde mein Absturz zunächst nicht bemerkt. Angstvoll starrte ich auf die nur 10 m entfernte, halb eingetauchte und aus meiner Perspektive riesig wirkende Schiffschraube. Jeden Moment würde der Erste Offizier Befehl geben, die Maschine warmlaufen zu lassen, und da sich der Antrieb nicht auskuppeln läßt, würde auch die Schraube ihre Arbeit aufnehmen. Wie sollte ich jetzt noch verhindern, daß ich von 12.500 PS in lauter handliche Stückchen zerteilt wurde?

[Einschub des Autors: Der Versuch, hier einen Spannungsbogen aufzubauen, muß natürlich schiefgehen. Wenn ich tatsächlich zerteilt worden wäre, hätte ich diesen Text nicht schreiben können. Hier muß nun die Aussicht auf weitere körperliche Schädigung für die Gänsehaut des Lesers sorgen!]

Da kam schon das laute Knallen des Druckluftstartgerätes, und der Propeller nahm, zunächst langsam und friedlich, später immer rasender, seine Arbeit auf. Schäumendes Wasser umspülte mich. Schon begann der nur lose vertäute Nachen sich ganz langsam in Richtung Heck des Schiffes umzudrehen. Ganz langsam, doch unaufhörlich bewegte sich das kleine, zerbrechliche Wasserfahrzeug.
 
Endlich- Ein Schrei. Der kleine Filippino hatte bemerkt, daß ich nicht im Boot saß und sofort –die richtigen Schlüsse ziehend- die Wasserboberfläche mit seiner starken Taschenlampe abgesucht. Er fand mich schließlich zwar an der Reeling des Rettungsbootes, aber an deren falscher Seite. Mit seinem Schrei "MAN OVERBOARD!" hatte er zumindest das milde Interesse seiner Kameraden geweckt.
 
Jetzt setzte hektische Betriebsamkeit ein. Sofort kletterten drei Mann vom Schiff herunter in die Nußschale (ich habe die Strecke übrigens bedeutend schneller zurückgelegt!). Das hatte zur Folge, daß ich mit dem Kopf immer wieder unter die Wasseroberfläche geriet. Denn ich hing an einem Seil, welches zu eben jenem Zweck außen um das ganze Fahrzeug herum montiert ist- und die Schiffsschraube arbeitete immer noch wie wild.

Einer der cleveren Gesellen gab schließlich die Lage per Funk an das Schiffskommando durch, so daß sich das Problem des ertränkt-werdens zunächst auf einem der hinteren Plätze meiner momentanen Prioritäten wiederfand. Ganz zuoberst stand das Problem, wie ich vier phillippinische Seeleute daran hindern kann, meinen geschundenen zarten Körper aus dem Wasser über die Reling in das Innere des Bötchens zu befördern.
 
Ich hielt das für keine gute Idee, da mir anhand seltsamer Knirschgeräusche aus meinem Brustkasten einhergehend mit brüllenden Schmerzen und Funktionsuntüchtigkeit meines linken Arms die Diagnose "Rippenbruch. Mist verd&%§#!!" angezeigt schien. Nun bin ich nicht gerade ein Leichtgewicht, und meine Klamotten hatten sich vollgesogen mit einer stinkenden Flüssigkeit, die ich hier in Ermangelung geeigneteren Vokabulars einmal "Wasser" nennen möchte.
 
Das schaffen vier kleine Flipse nicht. Da ich aber nicht Schreien konnte, mußte ich mich irgendwie nonverbal verständlich machen. Ich deutete durch mehr oder weniger obszöne Gesten an, daß von Bergungsversuchen dieser Art bitte Abstand zu nehmen sei, und das lieber das Boot zum rettenden Ufer bewegt werden sollte, damit ich auf diese Art sicheren Boden unter die Füße bekäme. Es dauerte höchsten zehn Minuten, bis das einer begriffen hatte, und sofort daranging, den Motor des Bootes anzuwerfen- nicht bedenkend, daß ich, am Heck hängend, auch diese Maßnahme keineswegs begrüßen würde. Zum Glück sprang das Ding nicht an, und man bediente sich der Paddel, um auf die Kaje zuzuhalten.

Hier tauchte jetzt das nächste Hindernis auf: Um an Land zu gelangen, hätte ich eine ca. 1,20 m hohe, in die Ufermauer eingelassene Leiter hinaufklettern müssen. In meinem gegenwärtigen Zustand eine unüberwindliche Höhe. Statt am Boot hing ich jetzt, immer noch im Wasser treibend, an der Stiege. Ich setzte, unendlich langsam, unter Wasser meine Füße in die Stufen und stemmt mich aus der Hafenbrühe. 
 
Des Wassers Auftrieb beraubt und schließlich nach (subjektiv) etwa zehn Stunden schwerster Arbeit kam ich oben an. Jetzt war mir das Atmen fast unmöglich. Ich hechelte wie ein Hund im Hochsommer nach Luft, ich schnappte nach ihr und konnte doch meinen Brustkasten nicht füllen. Stattdessen immer wieder dieses elende, knirschend-mahlende Geräusch.
 
Ich hauchte immer wieder die Worte "Linesmen! Linesmen!", um den hilf- und ratlosen Matrosen zu bedeuten, sie mögen bitte nach den Festmachern Ausschau halten. Das sind Leute, deren Aufgabe darin besteht, das Seeschiff sicher am Ufer zu vertäuen und beim Auslaufen auch wieder loszumachen. Es handelt sich um Deutsche, die mich wahrscheinlich besser verstehen würden, und vor allem sind die Jungs per Funk mit Ihrer Einsatzzentrale verbunden.

Ich bat diese Leute, einen Krankenwagen zu rufen. Ich saß auf allen vieren. Ich tropfte, zitterte vor Kälte, Angst und Schmerzen. Endlich, nach schier unglaublich langer Zeit ertönte von weitem ein Martinshorn. Leider näherte sich das Geräusch nicht. Schließlich erreichte mich die Nachricht, daß der gewissenhafte Hausmeister des Geländes das Haupttor (welches aus schweren, verzinkten Stahlträgern zusammengesetzt ist) zugemacht und abgeschlossen hatte. Im Bewußtsein, gute Arbeit geleistet zu haben, ist der brave Mann danach nach Hause gefahren.

Möge sein rechtes Ei verdorren.

Nach 15 Minuten hatte man ihn immer noch nicht telefonisch erreicht. So entschloß man sich zu radikaleren Maßnahmen. Der Fahrer des Rettungswagens setzte sein Fahrzeug sanft an die Pforte und gab gefühlvoll Gas. Schließlich war das Tor offen und die Notärztin sprintete auf mich zu. Nachdem sie gehört hatte, daß ich auf den Rücken gefallen war, tippte sie zunächst auf eine Verletzung der Wirbelsäule. Ich konnte jedoch abwiegeln, in dem ich bestätigte, die Mortorik und Sensorik meiner unteren Extremitäten sei nicht beeinträchtigt. Ich unterrichte sie auch über meine eigene Diagnose.

Ich sollte dann aufstehen, zum Wagen gehen und mich hineinsetzen. Ich deutete zart an, wenn ich dazu in der Lage wäre, hätte ich die Ruhe ihres Bereitschaftsdienstes nicht unterbrochen sondern hätte den Ort den Geschehens mit meinem eigenen Wagen verlassen. Ich sollte mich dann auf eine Trage legen. In der gleichen gefühlvollen Art erinnerte ich daran, daß ich auf den Rücken gefallen sei. Achja. Hm, ob ich denn sitzen könne? Ich kannte die Antwort nicht, signalisierte aber Bereitschaft zu einem Versuch. Die Ärmste hat sich wohl einige gehauchte und gehechelte Beleidigungen anhören müssen. Sie war aber erstaunlich hart im Nehmen. Ich wurde dann in einer Art Sänfte über das Gelände transportiert (das Terrain ist sehr holperig und auch mit einem guten Auto nicht befahrbar).

Es kränkte mich aber selbst in meinem Zustand ein wenig, daß zu meinem Transport acht (!) Leute nötig waren, die auch noch sichtlich unter ihrer Last litten.

Endlich im Rettungswagen saß ich auf meinem Thron und harrte der Dinge, die nun kommen würden. Ich fühlte mich elend, war erschöpft von meinem langen Kampf im Wasser und von der akuten Sauerstoffknappheit. Ich wurde mittels einer Pflasterschere aus meinem nagelneuen Pullover befreit und bekam eine Bromüle in den Handrücken. Die Notärztin deutete an, sie würde mir jetzt ein Morphiumpräparat verabreichen. Das sollte die Schmerzen, unter denen ich zwar schweigend, aber wohl sichtbar litt, unterdrücken.

Allerdings bestünde die Möglichkeit, daß mir ein wenig Übel würde. Mir doch egal. Ich hatte mich mehr auf den Teil ihres Satzes konzentriert, in welchem von "Unterdrückung der Schmerzen" die Rede war und signalisierte hastig meine Zustimmung.

Schon wurde ich auf einen Trip geschmissen. Mir wurde so leicht zumute, die Schmerzen ließen nach und ein wunderbares Wohlgefühl breitete sich von meinem Arm ausgehend im ganzen Körper aus. Mein Körpergewicht reduzierte sich erheblich, gleichzeitig nahm meine –subjektive- Rationalität zu.

Ich war wieder voll da.

Ich scherzte, plapperte und lachte und bekam noch eine Spritze. Viel später, lange nach dieser Geschichte, habe ich ernsthaft über eine Karierre als Junkie nachgedacht. Leider liegt es mir weder, in dunklen Bahnhofsecken ältere Damen niederzustrecken, noch meinen Körper in übel beleumundeten Gegenden der Stadt feilzubieten- und anders ist so ein Vorhaben kaum finanzierbar.

Endlich im Krankenhaus angekommen, wurde auch der Rest meiner Kleidung entfernt. Splitterfasenackt, fröhlich krähend und vollkommen high wurde ich durch die Gänge geschoben. Ich soll sogar mit einem Garderobenständer geflirtet haben. Endlich bekam ich eine weitere Spritze, die mich dann in ein seliges Koma sinken ließ. Den weiteren Verlauf der Untersuchungen habe ich denn auch nur noch collagenartig im Gedächtnis.

Ich kam erst drei Stunden später in einem abgedunkelten Zimmer zu mir. Ich hatte einen Schlauch in der Nase, diverse Anschlüsse am Leib und eine unerträglich piepsende Maschine im Rücken. Neben mir stand eine Krankenschwester, die mich im Diesseits begrüßte: "Na, sie haben ja mal ein Glück gehabt!"

Ich teilte ihr schwach leiernd meine Ansicht mit, das Herabstürzen auf ein Boot aus großer Höhe, herumpaddeln in einem dunklen Hafenbecken und das auf der Intensivstation unter jetzt wieder stärker werdenden Schmerzen sei nicht ganz MEINE Definition von Glück. Ich fragte nach dem Ergebnis der Untersuchungen und erfuhr so, daß ich mir praktisch alle Rippen auf der linken Körperseite gebrochen, die Nieren gequetscht, schwere innere Blutergüsse und vermutlich auch einen Riß in der Milz eingehandelt hätte. Ich murmelte noch "...so ein Glück!" und dämmerte wieder weg.

Zehn Minuten später war ich wieder wach und verlangte nach einem Telefon. Ich mußte den größten Schatz von allen davon unterrichten, daß ich evtl. etwas später nach Hause käme- so ca. zwei bis drei Wochen. Außerdem mußte die Schiffsabfertigung noch zuende gebracht werden, zu diesem Zweck wollte ich meinen Kollegen in Marsch setzen. Zuhause nahm ich das Gespräch selbst entgegen und teilte mir mit, daß ich im Augenblick nicht zu erreichen sei, ich könne mir jedoch nach dem Signalton eine Nachricht hinterlassen.

Das hielt ich für zwecklos, ich war der Ansicht, das ich hinreichend über die letzten Ereignisse unterrichtet sei. Bei meinen Eltern (sie wohnen eine Straße weiter) meldete sich auch nur der Anrufbeantworter. Die freundliche Schwester nahm es mir aber ab, hier eine Nachricht auf das Band zu sprechen. Sie sagte "Diako Bremen, Schwester Sowieso. Bitte rufen sie die folgende Nummer an: 0421 / xx xx xx!". Als letztes riefen wir meinen Kollegen an, dem ich mitteilte, wo er die Dokumente für das Schiff abholen könne. Danach hatte ich für längere Zeit Stromausfall.

Was ich nicht wissen konnte, war, das sowohl der größte Schatz der Welt, als auch meine Eltern und der Kollege die letzen Stunden wartend und angsterfüllt ob meines weiteren Schicksals im Krankenhausflur verbracht hatten. Die Festmacher hatten nicht nur den Unfallwagen, sondern auch meinen Kollegen informiert. Letzterer hat dann den größten Schatz der Welt und meine Eltern angerufen.

Als der ganze Verein im Krankenhaus versammelt war, berichtete die Notärztin vom Unfallhergang, ich sei auf den Rücken gefallen, hätte schwere bis schwerste innere Verletzungen davongetragen und verbreitete sich anschließend ebenso genüßlich wie ausführlich über deren Risiken. Im Ergebnis waren alle Anwesenden nach dem Verschwinden der Guten der Meinung, es sei wohl besser, schon mal das Bestattungsinstitut anzufordern oder sich zumindest nach einem Heimplatz für Schwerstpflegefälle umzusehen.

Irgendwann kam dann die Nachricht, ich sei auf der Intensivstation, Besuche seien wegen der Schwere meiner Verletzungen im Augenblick nicht möglich. Die Angehörigen sollten besser nach Hause fahren. Morgen könne man mehr sagen. Sollte sich irgend etwas Gravierendes ereignen, würde man sich telefonisch melden.

Meine Eltern kamen also nach Hause und hatten auf ihrem Anrufbeantworter die Nachricht "Diako Bremen, Schwester Sowieso. Bitte rufen sie die folgende Nummer an: 0421 / xx xx xx!" ... Mein Vater bekam einen leichten Herzanfall, meine Mutter einen Weinkrampf und der größte Schatz der Welt startete mehrere eBay-Auktionen mit Herrenkleidung.

Mein Kollege kam besser weg, er amüsiert sich heute noch über das deliriöse Gestammel, mit dem ich seinen elektrischen Helfer beschenkte...

Der Rest ist schnell erzählt: Meine Verletzungen waren –wie weiter oben bereits beschrieben- doch nicht so gravierend, nach drei Tagen konnte ich die Intensivstation verlassen und durfte noch zweieinhalb weitere Wochen auf einer normalen Station entspannen, bevor ich mich aus dem Hospital herausquängeln konnte...

 

Zuletzt angepasst 05.02.2009 um 22:40

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