Neulich im Radio

Geschrieben von Fraro (fraro) am 02.11.2012
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Der ebenso eloquente wie bescheidene Seitenmeister dieses virtuellen Kleinods hatte jüngst Gelegenheit, sich im Rahmen eines Rundfunkspecials über den Äther zu verbreiten. Da man sein erstes Mal (in welcher Hinsicht auch immer) normalerweise gerne mit einer möglichst breiten Öffentlichkeit teilt, möchte ich von meinem Ausflug raus aus der virtuellen Welt der Websites in die Realität eines Radiosenders mit dem besten Lesepublikum von allen teilen.

Vorgeschichte:

Alles fing damit an, daß ich -wie schon so oft- einen meiner Gordon-Cartoons auf Facebook verlinkt hatte. Dirk Bause, ein Freund von mir aus Lübeck, hatte diesen Cartoon weiter gestreut-und so fiel er in die offenen Arme von Birgit Arends aus Aurich. Birgit hatte nun die (in meinen Augen) großartige Idee, den bescheidenen Künstler eine Karikatur anfertigen zu lassen, die wiederum einige ihrer Freunde darstellen sollte.

Zu kompliziert? Es ist ganz einfach: Fraro-sollte-zeichnen-Karikatur-von-Kumpels-von-Kumpelin-von-Kumpel.

Diese Freunde von Birgit stellen mit viel Liebe, Mühe und Sachverstand eine zweiwöchentliche Radioshow zusammen, die dann von Radio Ostfriesland, einem bekannten und beliebten Lokalsender, ausgestrahlt wird. In dieser Show geht es um gute Musik aus längst vergangenen Disco-Tagen in Ostfriesland- in der Hauptsache also um ziemlich gute, vor allem aber hörbare Musik abseits des Mainstream. Die Sendung heißt "Die Liste" und ist jeden vierten Sonntagabend und jeden vierten Freitagabend auf Radio Ostfriesland zu hören.

Die Show feierte am 28.10.2012 ihr zweijähriges Bestehen. Wie ich finde, eine tolle Leistung für ein Programm, das nur vom Engagement seiner Macher leben kann- vor allem, wenn diese Macher einen namhaften Teil ihrer kargen Freizeit dafür opfern. Die Macher haben übrigens auch eine eigene Website um die Sendung ins virtuelle Multiversum gestoßen; das beste Lesepublikum von allen erreicht sie unter Wattwerker.de.

Zurück zum Thema. Ich habe also eine kleine Karikatur der Wattwerker angefertigt. Nun kam die Idee auf, diese Karikatur im Beisein des bescheidenen Künstlers in der Livesendung zu überreichen. So wurden die beste Ehefrau der Welt und ich ins Studio in Aurich eingeladen. Das ließen wir uns nur fünf- bis sechsmal sagen!

Am Sonntagabend waren wir nun mit Birgit verabredet, die zur Ur-Besetzung der Sendung gehörte und anläßlich des kleinen Jubiläums ins Studio eingeladen wurde. Die Wattwerker hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, welche Laus ihnen da in den Pelz gesetzt wurde wer da zusammen mit ihrer alten Freundin ins Studio geströmt kam. Die Auricher Dépendance des Senders befindet sich in jenem respektablen alten Gebäude, welches auch die Kreisvolkshochschule in seinen Mauern birgt.

Der Weg ins eigentliche Studio ist eher labyrinthartig angelegt. Zunächst betritt man ein kleines Vorzimmer, in welchem ein Techniker darüber wacht, daß die Sendung technisch brilliant  über den Äther geht und daß niemand das Mikrofon klaut und oder den Moderator mit dem Versuch belästigt, ihm ein Zeitschriftenabo zu verkaufen oder über Gott reden.

Ist man an diesem Zerberus vorbei, passiert man eine Tür, über der eine imponierend große rote Lampe angebracht ist, die mit "on Air!" beschriftet ist. Diese Lampe leuchtet immer dann auf, wenn der Moderator ein Mikro eingeschaltet hat (wenn er es "offen" hat, wie wir Radioprofis sagen). Damit sollen eventuelle Plappermäuler und Radaubrüder eingeschüchtert werden.

Das Studio selber ist überraschend hell und freundlich. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mir so eine Einrichtung immer düster, muffig und klein vorgestellt, vollgestopft mit einschüchternder Technik. Dortselbst eingekerkert eine Art Homunculus, der alle vier Stunden mal zur Toilette darf und ansonsten vor seinem Mikrofon zu hocken hat.

Stattdessen betraten wir einen Raum von der Größe eines kleinen Wohnzimmers, der hell beleuchtet und wohl durchlüftet war. Die Technik war eigentlich nur in Form einiger Computermonitore, eines kleineren Mischpults und vier Mikrofonen sichtbar. Das Mikro des Moderators Uwe Penske befand sich direkt über den Reglern, ihm gegenüber gab es noch drei kleinere Ausgaben an Stehpulten. Kleinere Ausgaben des Mikrofons- nicht kleinere Ausgaben von Uwe. Diese kleineren Mikros sind für Co-Moderatoren und Gäste da.

Birgit macht gute Miene zum bösen Spiel, während der Seitenmeister Taschenbilliard spielt

Auch herrschte keineswegs triste Einsamkeit im Studio: Außer Cheffe Uwe waren noch Ingun, Recherche-Rolf, Randolf (Initiator und Gastgeber der vorangegangenen Sendung), zwei weitere Gäste und Birgit anwesend. Zusammen mit dem Seitenmeister und seinem holden Weibe bevölkerten also acht Personen den Raum. Der Zerberus mußte draußen bleiben und weiterhin über den technisch brillianten Ablauf der Sendung wachen und darüber, daß wir VIPs nicht von Zeitschriftenwerbern und religiösen Fanatikern belästigt werden.

Um Punkt 20:05 MEZ gingen wir live auf Sendung. Uwe hatte zwar eine Art Konzept vorbereitet, konnte jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, was ihn noch erwarten würde. Zunächst begrüßte er die geneigte Hörerschaft, sodann spielte er ein wenig Musik um sich schließlich nach dem nächsten Titel sanft plaudernd der lauernden Birgit zuzuwenden, die (zumindest innerlich) schon aufgeregt auf- und ab hopste. Nach einigem freundlichen Auftaktgeplauder ließ sie schließlich den Ballon platzen und überreichte den drei Anwesenden die Karikatur, auf der sie alle fein säuberlich durch den Kakao gezogen wurden. Die Ähnlichkeit hielt sich dabei in überschaubaren Grenzen, denn dem Künstler stand als Vorlage nur ein älteres Foto zur Verfügung. Inzwischen trug z. B. Uwe eine andere Frisur und hatte sich die Nase richten lassen. Oder so.

Es wurde viel gelacht, und nun bekam auch der Autor dieser Zeilen einen Kopfhörer aufgesetzt und wurde vor ein Mikrofon gestellt. Das freie Reden zu einer größeren Hörerschaft stellte jenen noch nie vor größere Probleme, es wird schon dem einen oder anderen Leser aufgefallen sein, daß der Seitenmeister dieser kleinen Internetpräsenz eine ausgesprochene Rampensau ist. Mangels Stichwort kam trotzdem zunächst nur etwas hilfloses Gestammel, aber nachdem das Mundwerk erstmal warmgelaufen war, lief es bestens.

Von links nach rechts: Ingun, Fraro, Birgit, Recherche-Rolf, Uwe

Überrascht war ich von der lockeren und lustigen Atmosphäre im Studio. Es wurde viel gelacht, sich durch den Kakao gezogen, gequasselt und geblödelt. Ich habe niemals den Zischlaut "Pssssst!" vernommen, Uwe moderierte seine Sendung routiniert und witzig. Gerne mal mit einem freundschaftlichen Seitenhieb auf die Anwesenden. Und als er schließlich einen über 20 (!!) Minuten langen Wunschtitel komplett ausspielte, haben wir vor lauter Klönen die Umgebung fast komplett vergessen.

Alle passen auf, daß der Tisch nicht wegfliegt, während Birgit Höreranrufe entgegennimmt.

Insgesamt sind die zwei Stunden, die die Sendung dauerte, wie im Flug vergangen. Wir fühlten und sehr gut aufgenommen, und die Menschen, die wir an diesem Abend kennenlernen durften, waren nicht nur sehr nett, sondern sie brennen für ihre Sache- und das allein ist schon ein Grund, vielleicht wieder einmal reinzuschauen- auf jeden Fall aber, die Sendung von nun an regelmäßiger einzuschalten (sie wird auf der Homepage des Senders live gestreamt).

Im übrigen hat fast jedermann die Möglichkeit, die Studiocrew einmal zu besuchen oder einmal eine Sendung mit seinen eigenen Wunschtiteln zu spicken. Wie und wo das das geht, das erfährt der interessierte Leser auf der Website der Wattwerker.

Die beste Ehefrau der Welt ist mit ihrem Herrn Gemahl zufrieden.

 

P.S.: Was ich mit Ingun für ein fast 30 Jahre altes Geheimnis teile, was Petra aus Hessen in die Sendung postete und warum Dirk seine Grüße nicht direkt empfangen hat- all das wären noch Geschichten, die man an dieser Stelle noch erzählen könnte. Da die aber wahrscheinlich keine Sau interessieren, werde ich den kleinen Rest des besten Lesepublikums von allen, den das vielleicht doch interessiert hätte, mit diesem Rätsel wieder hinaus ins Leben entlassen. Oder Ihr versucht, mich mit munteren Kommentaren zu diesem Artikel zu überzeugen!

Zuletzt angepasst 03.11.2012 um 18:25

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